Entwicklung von Auenwald

 

Im 13. Jahrhundert wurden Auenwälder fast vollständig gerodet und in Grünland umgewandelt. Heute fehlen Auenwälder am Unteren Niederrhein daher nahezu vollständig. Die Entwicklung von neuen Waldbeständen der Weich- und Hartholzaue auf geeigneten Flächen gehört zu den zentralen Zielen im EU-Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“.

 

Standort

Der Ostteil der Emmericher Ward ist als Standort besonders geeignet. Denn anders als in anderen Abschnitten des Rheins, wo die Stauwirkung eines Waldes bei Hochwasser ein Abflusshindernis darstellt und somit kontraproduktiv ist für das Hochwasserabflussprofil des Rheins, liegt dieser Bereich im Strömungsschatten. Das heißt, die übliche Stauwirkung eines Waldes kommt hier kaum zum Tragen. Da die Abflussschneisen zudem gehölzfrei gehalten werden und auch die Nebenrinne die in geringem Maße verbleibende Stauwirkung kompensiert, ist dieser Bereich insgesamt besonders gut für die Etablierung eines neuen Auenwalds geeignet. Der Auenwald beschränkt sich auf dieses östliche Drittel des Naturschutzgebietes. Das übrige Gebiet wird als offene Auenlandschaft mit Grünland und Altwasserresten erhalten und weiterentwickelt.


Initialpflanzung des Auenwaldes
(Foto: Markgraf-Maué)

 

Umsetzung

Im Osten der Emmericher Ward werden die in der Aue bereits vorhandenen Feldgehölze zu einem Auenwald von insgesamt etwa 22 Hektar Fläche erweitert und verbunden. Dazu wurden zunächst verschiedene Gehölzgruppen inselartig angepflanzt. Darüber hinaus wurde durch Anriss der Grasnarbe auf den übrigen Flächen die spontane Ansiedlung von Gehölzen gefördert. Auf diese Weise werden sich aus vorrangig gebietsheimischen Gehölzen vielfältige Übergangsstadien zum Auenwald entwickeln, die schließlich mittelfristig in einen arten- und strukturreichen Komplex aus Weich- und Hartholzauenwald münden. Damit keine Gefahr durch Abtrieb von Totholz für Deichsicherheit oder Schifffahrt entsteht, wurde mit Verbänden und Behörden ein spezielles Unterhaltungskonzept abgestimmt, das die Sicherung des Holzes regelt.

 

Was sind Weich- und Hartholzauenwälder?

Gut ausgeprägte Weich- und Hartholzauenwälder bestehen aus Silberweiden und Schwarzpappeln bzw. Ulmen, Eschen, Hainbuchen, Schwarz-Erlen, Feld-Ahorn und Eichen. Unter diesen Bäumen bildet sich eine ausgeprägte Strauchschicht, unter anderem aus Sal-Weide oder Weißdorn, Rotem Hartriegel, Roter Johannisbeere, Pfaffenhütchen und Himbeere. In der Krautschicht sind Geophyten wie Scharbockskraut zu finden. Dabei sind Bäume und Büsche durch Lianengewächse wie Waldrebe und Hopfen miteinander verwoben. Der besondere Wert der Auenwälder besteht im Nebeneinander verschiedener alter Gehölze und einem hohen Anteil an Totholz, das zahlreichen Insekten- und Vogelarten einen Lebensraum bietet. So sind die genannten Pflanzenarten zum Beispiel für Ulmen-Zipfelfalter und Kleine Schillerfalter wichtige Lebensgrundlagen und auch der Kleinspecht profitiert von alten Bäumen und einem großen Insektenangebot. Bei ausreichender Flächengröße siedeln sich möglicherweise sogar wieder Vogelarten wie Schwarzmilan oder Pirol an.

Auenwald

Bestehende Weichholzaue an der Nebenrinne
(Foto: Markgraf-Maué)

 

International hoher Stellenwert

Bei Weich- und Hartholzauenwäldern handelt es sich um FFH-Lebensräume (FFH-Lebensraumtypen 91 E0 und 91 F0). Das heißt, es handelt sich um Lebensraumtypen von gemeinschaftlichem Interesse (der EU-Länder), für deren Erhaltung nach europäischem Recht (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Da diese Wälder stark gefährdet, zum Teil sogar von vollständiger Vernichtung bedroht sind, gelten sie sogar als prioritär zu schützende und zu verbessernde Lebensräume.

Überfluteter Auenwald (Foto: Cerff)

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