Lebensräume in der Emmericher Ward

 

Die Emmericher Ward umfasst eine Vielzahl eng miteinander verzahnter und wertvoller Lebensräume für Pflanzen und Tiere.

 

Stillgewässer

In Geländesenken, in denen einst der Rhein floss, befinden sich heute vorwiegend temporäre Kleingewässer mit verschiedenen unterschiedlichen Strukturen wie Flachufern und angrenzenden feuchten Hochstaudenfluren, Gebüschen oder Flutrasen. Sie dienen unter anderem einer Vielzahl von Fröschen, Molchen, Wasserpflanzen und Insekten als Lebensraum. Die meisten dieser Lebensräume sind so wertvoll, dass sie durch das Bundesnaturschutzgesetz, das Landschaftsgesetz NRW und teilweise sogar durch europäisches Recht (FFH-Lebensraum 3150 „Natürliche eutrophe Seen und Altarme“) geschützt sind. Aufgrund sinkender Grundwasserstände und der zunehmenden Verlandung des Deichvorlands verschlechterte sich ihr Zustand in den letzten Jahren signifikant.

 

Blänke

 

Wiesen und Weiden

Die Gewässer sind in einen mosaikartigen Komplex aus Wiesen und Weiden eingebettet, die ebenfalls unter europäischem Schutz (FFH-Lebensraumtyp 6510 „Artenreiche Mähwiesen des Flach- und Hügellandes“) stehen. Ihr Zustand darf sich nicht verschlechtern und die angepasste Bewirtschaftung aus extensiver Beweidung und Mahd muss fortgeführt werden. Eine Besonderheit sind die trockenen Sandmagerrasen mit wilden Salbeivorkommen. Für zahlreiche Insektenarten ist die Emmericher Ward ein absoluter Hotspot, denn besonders auf den lockeren, südexponierten, warmen und sonnigen Sandböden fühlen sie sich wohl. Hier finden sie viele Nistmöglichkeiten und genügend Nahrung.

 

Wiesen-Salbei Salvia pratensis

 

Hecken

Ein Teil der Emmericher Ward zeichnet sich durch einen Komplex aus lebensraumtypischen Straucharten wie etwa dem wunderschön weiß blühenden Weißdorn und Holunder aus. Hier finden neben der Dorngrasmücke auch viele weitere Heckenvögel Nahrung, Versteck-, und Nistmöglichkeiten.

 

 Dorngrasmücke Sylvia communis

 

Auenwälder

Insbesondere im östlichen Gebietsteil der Emmericher Ward und zwischen den Buhnenfeldern entlang des Rheins gibt es kleinflächige Initialbestände höchst wertvoller Weiden- und Eschenauenwälder (FFH-Lebensraumtyp 91E0 „Erlen-/ Eschenwald und Weichholzauenwald an Fließgewässern“ und 91F0 „Eichen-Ulmen-Eschen-Auenwald am Ufer großer Flüsse“). Sie bieten nicht nur vielen auentypischen Pflanzen, sondern auch zahlreichen Tieren wie Pirol, Nachtigall und Großem Schillerfalter einen Lebensraum.

Auenwälder sind einer der meist gefährdeten Lebensräume Europas, Eichen-Ulmen-Eschenwälder sind sogar von vollständiger Vernichtung bedroht. Sie gelten daher als „prioritär schützenswert“. Das heißt, dass Europa bzw. Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Lebensräume trägt. Deshalb ist die Entwicklung eines zusammenhängenden Auenwald-Komplexes ein Ziel dieses Projektes. Dazu wurden bestehende Gehölzstrukturen miteinander verbunden und mit Initialpflanzungen gefördert, zusätzlich gibt es Sukzessionsflächen, auf denen sich der Auenwald frei entwickeln kann.

Großer Schillerfalter Apatura iris, Fotograf: U. Kosinsky

 

Der Rhein und seine Ufer

Der Rhein ist seit je her ein wichtiger Wanderkorridor für viele Pflanzen- und Tierarten. Viele Fischarten sind auf seinen Strom und seine ökologische Durchgängigkeit angewiesen, um ihre Laichgründe zu erreichen. Das kiesige Rheinufer in der Emmericher Ward wird unter anderem vom Flussregenpfeifer als Brutgebiet genutzt.

Natürlicherweise wäre der Rhein wesentlich flacher, breiter und seine Fließgeschwindigkeit langsamer als sie es heute ist. Dadurch, dass er ausgebaut wurde, haben insbesondere junge Fische Schwierigkeiten, nicht einfach an Land oder ins Meer hinaus gespült zu werden.

Die zahlreichen wilden Verzweigungen und sich ständig neue Wege suchenden Seitenarme des Rheins wurden in den letzten zwei Jahrhunderten mühselig vom Menschen zu einem Hauptgerinne zusammengefasst und seine Auen vom Fluss durch Deiche und Hochwasserschutzanlagen getrennt. Große schlammige Überschwemmungsflächen, auf denen Watvögel nach Futter stochern können, sind vielerorts zur Gänze verschwunden. Mit der Anlage der Nebenrinne in der Emmericher Ward konnte diesem bedrohten Lebensraum und seinen Bewohnern zumindest ein kleines Stück seiner ursprünglichen Größe und Freiheit zurückgegeben werden.

 

Natürliche morphodynamische Sedimentationsprozesse

in der Nebenrinne der Emmericher Ward

 

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